Tages-Seminar der FOSBOS Schwandorf an der Gedenkstätte Flossenbürg:

„Die Ansbachers-Eine jüdische Familie im Nationalsozialismus“

 

Am 11.02.2019 nahmen die beiden FB13-Klassen der FOSBOS Schwandorf im Rahmen des Geschichte-Sozialkunde-Unterrichts an einem Tagesseminar der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg teil.  In mehreren Kleingruppen erarbeiteten sie sich Inhalte und Hintergründe zu dem Schicksal der jüdischen Familie Ansbacher aus Floß während der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei steht die Familie exemplarisch für das Schicksal tausender deutscher Juden, die sich zwischen 1933 und 1945 zunehmender Ausgrenzung, Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung ausgesetzt sahen. So spiegeln sich die Biografien der Ansbachers in den verschiedenen Phasen antijüdischer Politik der NS-Zeit wie den Nürnberger Gesetzen, der Reichspogromnacht, der Arisierung jüdischer Geschäfte bis hin zu Deportation und Vernichtung. Nach drei intensiven Seminarstunden am Vormittag vertieften die motivierten und interessierten Schülerinnen und Schüler am Nachmittag ihre Kenntnisse bei einem geführten Rundgang über das historische Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg.

 

Ralf Krinner

 

Helen Albert und Sarah Champness an der FOSBOS Schwandorf

 

Am 20.4.2018 konnte sich die Klasse F11U1 über einen besonderen Besuch freuen. Denn Helen Albert und ihre Tochter Sarah Champness statteten den Schülerinnen und Schülern einen Besuch ab, ehe sie am darauffolgenden Sonntag als Hauptrednerinnen beim Gedenkakt anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg eingeladen waren.

Helen Albert ist die Tochter von Oscar Albert, einem Überlebenden des Holocaust. Erst kurz vor seinem Tod erfuhr Helen in seinem Antrag auf Wiedergutmachung, den sie in den persönlichen Unterlagen des Vaters gefunden hat, dass ihr Vater, ein gebürtiger Jude aus Galizien, während des Zweiten Weltkrieges fünf deutsche Konzentrationslager und einen Todesmarsch von Flossenbürg Richtung Dachau überlebt hat. Das ganze Ausmaß sei ihr nicht bewusst gewesen, da ihr Vater nie oder nur sehr selten über diese Zeit mit ihr gesprochen habe. Nach dem Krieg in die USA emigriert, wo er seine Frau heiratete, eine Überlebende des Warschauer Ghettos, hat die Familie ein typisches amerikanisches Leben geführt mit allem was dazugehört. Doch irgendwie war die Familie doch anders, erzählt Helen Albert, denn es gab keine Omas und Opas, keine Tanten und Onkel, keine Verwandten. Sie waren von den Nazis im Tötungslager Belzec umgebracht wurden. Die Tochter beginnt anhand der Unterlagen Nachforschungen anzustellen und wendet sich an die Gedenkstätte Flossenbürg, deren historische Abteilung den Leidensweg ihres Vaters rekonstruiert. Als Zwangsarbeiter zunächst bei Daimler in einem Außenlager von Plaszow dann über mehrere andere Lager schließlich bei der Firma Messerschmitt im Konzentrationslager Flossenbürg widerfuhr im schreckliches Unrecht. Nur mit Glück überlebt er die Misshandlungen einer ukrainischen Begleitwache, die ihm mit einem Gewehrkolben alle Zähne des Oberkiefers ausschlug. In der Krankenbaracke hatte er, das belegen Dokumente, hohes Fieber. Wie durch ein Wunder überlebt er und wird von einem deutschen Vorarbeiter gerettet, als er ihn, unfähig zu arbeiten, vor den Wachmannschaften versteckt. Es sind die Erlebnisse des Vaters, die er vor seinem engsten Familienkreis verborgen hielt. Jetzt, aus dem Munde der Tochter, büßen sie nichts an Emotionalität ein, sondern heben das Geschehene auf eine andere, aber ebenfalls sehr persönliche Ebene. Die Schülerinnen und Schüler folgen dem englischen Vortag mit gebanntem Interesse. Auch die Stadt Schwandorf nimmt im Leben ihres Vaters eine besondere Bedeutung ein, allerdings keine so schlechte, wie die Tochter herausstellt. Denn nachdem ihr Vater vom Todesmarsch befreit worden ist, hat er vier Jahre in Schwandorf gelebt und als junger Mann auch wieder Freude empfunden. Persönliche Fotos zeigen den Vater in Schwandorf mit Freunden am Marktplatz flanieren oder im Kreise einer jüdischen Fußballmannschaft. Auch Widmungen einer deutschen Freundin, mit der er einige Zeit zusammen war, zeugen von persönlichem Glück. Nachdem er aufgrund seiner perfekten Deutschkenntnisse für die Alliierten bei den Kriegsverbrecherprozessen übersetzt hat, emigriert er in die USA. Auch als Sarah, die Enkeltochter, in etwa gleich alt wie die Schülerinnen und Schüler, vor die Klasse tritt und von ihrem Großvater erzählt, halten die Schülerinnen und Schüler bewegt inne. Sehr persönlich schildert sie, wie wichtig es ihr sei, dass die Geschichte ihres Vaters weitergetragen werde. Man könne sich den Ausmaß des Holocaust nicht im Rahmen von zwei oder drei Unterrichtsstunden begreiflich machen, wie sie es in der High-School erfahren hat. Nach dem Vortrag machten die Schülerinnen und Schüler noch sehr ausführlich Gebrauch davon, persönlich mit den Gästen zu reden und zeigten sich sehr angetan von den sehr privaten Einblicken in das Leben Oscar Alberts.

Ralf Krinner